Nicole Beckmann & Sabine Langkamp – BioZeit

Sie gehören zu den Standbetreibern der ersten Stunde in der Markthalle Herford. Wir sind neugierig, wie kam es dazu?
Das ist eine Geschichte, die wir sehr gerne erzählen. Dass wir heute hier stehen bzw. sitzen, haben wir auch unseren Kunden zu verdanken.
Noch vor einem Jahr waren wir beide im Biomarkt an der Steinstr. angestellt. Als klar war, dass dieser geschlossen wird, ergriffen unsere Kunden die Initiative: „Da müssen wir doch was tun!“
Dieser kurze Satz brachte alles ins Rollen. Wir? JA; wir! Kurz darauf saßen wir zusammen mit unserem Kunden am Küchentisch. Aus der Idee wurde ein Plan. JA, wir machen das! Wir haben „unsere“ Metzgermeisterin ins Team geholt und dann ging es los. Ab diesem Zeitpunkt haben wir nicht mehr über das „ob“ und „wenn“ nachgedacht, sondern über das wie, mit wem, was, wann, wo, einfach gemacht, einen Schritt nach dem anderen. Gedanken über Hindernisse und Hürden haben wir beiseite geschoben und uns dann damit befasst, wenn es angebracht war. Vielleicht nicht immer der beste, aber unser Weg. Unsere ganze Energie und unser Herzblut haben wir in unser Ziel, der Gründung unseres eigenen Bioladens, gesteckt.

Nach gut sechs Monaten Selbständigkeit mit Bio Zeit in der Markthalle, wie lautet Ihre Zwischenbilanz?

Die Eröffnung der Markthalle und von BioZeit war ein voller Erfolg. Die Leute strömten und kauften. Die ersten sechs Wochen waren bombastisch und wir waren total geflasht. „Wenn das so weitergeht, brauchen wir uns keine Sorgen mehr machen!“ Danach kam der Umsatzeinbruch, nicht peu à peu, sondern plötzlich wurden es weniger Kunden. Die Faszination des Neuen war verflogen. Die Anzahl der Kunden pegelte sich auf ein wesentlich geringeres Niveau ein und wir landeten auf dem Boden der Tatsachen. Beruhigt haben uns die erfahreneren Standbetreiber, dies sei nicht ungewöhnlich. Besser waren die Besucher- und Umsatzzahlen während verschiedener Events in der Markthalle, organisiert von Pro Herford. Gerne mehr davon! Nun hoffen wir, die Grillzeit und die Sonne, die unsere Kunden und die, die es noch werden wollen animieren raus zu gehen und bei uns einzukaufen. Wir sind da!

Was wünschen Sie sich für die nächsten sechs Monate, Jahre …?

„Bereits Mitte des Monats das Gefühl haben, dass die Löhne am Monatsende problemlos ausbezahlt werden können“, so Frau Langkamp sofort, die auch für die Buchhaltung zuständig ist und Frau Beckmann pflichtet bei; „Kein Jonglieren mit Zahlungsverpflichtungen, sondern rechtzeitig wissen, dass wir allen gerecht werden können.“
Dazu gehört natürlich, dass noch viel mehr Bürgerinnen und Bürger uns und unsere Produkte kennen und lieben lernen. Noch ist nicht bekannt genug, wie schön und besonders das Einkaufen und Einkehren in der Markthalle und damit auch bei BioZeit ist. Viele kennen unsere leckeren Bio-Produkte noch nicht. Die, die sie kennen, kommen wieder und regelmäßig, um bei uns einzukaufen.
Wir sind auch im ständigen Austausch mit der Leitung der Markthalle. Auch hier erhoffen wir uns, dass beispielsweise einheitlichere Standbesetzungszeiten mehr Frequenz an allen Öffnungstagen bewirken.
Da wir sehr lieben, was wir tun und verkaufen, wünschen wir uns, dass wir unsere BioZeit-Produkte erfolgreich weiter vielen glücklichen Kunden anbieten und verkaufen können.

»Einfach machen! Wenn man von der Gründeridee überzeugt ist.«

Gemeinsam haben Sie, Frau Beckmann und Frau Langkamp, Ihr Unternehmen BioZeit gegründet. Was verbindet Sie, was stärkt Sie als Team und gab es auch Schwierigkeiten, wenn zwei Gründerpersönlichkeiten Mitspracherecht haben?

Verbunden sind wir schon sehr viele Jahre, als Kolleginnen und Freundinnen. Wir kennen Hochs und Tiefs, beruflich wie privat, und vor allem uns. Daher wussten wir, worauf wir uns einlassen, oder auch nicht (zwinkert).
Wir sind zwei völlig unterschiedliche Persönlichkeiten, was gut ist, denn wir ergänzen uns prima. Dennoch, die gemeinsame Gründung und Umsetzung hat unsere Freundschaft vor ganz neue Herausforderungen gestellt, zeitweise sogar sehr belastet. Jede hatte individuelle Vorstellungen und wir sind beide mit Herzblut und Leidenschaft bei der Sache. Da bleiben Auseinandersetzungen und auch Streit nicht aus, besonders in der Anfangsphase. Und, nicht zu vergessen, auch unser Privatvermögen steckt hier in unserem Laden. Da war der Druck manchmal schon hoch. Gottseidank ist keine von uns sehr nachtragend. Wir haben jeden Tag, aus jeder neuen Situation und unseren Fehlern dazugelernt. Unser Ziel haben wir bis auf ein, zwei kurze, schwache Momente nie aufgegeben. Das hat nicht nur uns, sondern auch unsere Freundschaft und unser gemeinsames Unternehmen stärker gemacht.

Wenn Sie Pro und Kontra nach einem Jahr Selbständigkeit abwägen, was überwiegt? Würden Sie wieder so entscheiden?

Ja, in jedem Fall! Auch dank unseres tollen Teams, das in allen Situationen hinter uns steht.
Natürlich tragen wir nun eine große Verantwortung. Das ist manchmal nicht einfach. Das Positive ist, dass wir selbst entscheiden, gestalten und unser Ding machen.
Mit der Erfahrung von heute würden wir wahrscheinlich das eine oder andere anders verhandeln, angehen und anpacken. Aber die Entscheidung für die Selbständigkeit würden wir jederzeit wieder treffen.
Unterm Strich steht, trotz harten Zeiten und großer, auch finanzieller, Verantwortung also ein eindeutiges JA.

Nach Ihrer Erfahrung, was können Sie Neugründern/innen mit auf den Weg geben?

Einfach machen! Wenn man von der Gründeridee überzeugt ist. Das ist wie ein Puzzle, ein Teil fügt sich zum anderen ab dem Moment, in dem die Entscheidung gefallen ist.
Man muss nicht alles können, und schon gar nicht alleine, daher ist es besser, sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren und sich Unterstützung und Partner zu suchen für Bereiche, in denen man nicht so gut ist.
Aus Fehlern lernen, Rückschläge aushalten und das Ziel im Auge behalten.
Wie heißt es so schön: Hinfallen, Krone richten, weiter machen!