David N. Peter, PETER/LACKE GmbH
Die PETER/LACKE GmbH feiert in diesem Jahr ihr 120-jähriges Bestehen.
Im Juli wird dieses besondere Jubiläum mit einem großen Fest gemeinsam mit Mitarbeitenden und langjährigen Partnern begangen – als Zeichen der Wertschätzung und der gelebten Unternehmenskultur. Für David N. Peter, der das Familienunternehmen in fünfter Generation führt, ist dieses Jubiläum jedoch weniger ein Blick zurück als vielmehr ein Ansporn, Peter/Lacke so aufzustellen, dass das Unternehmen auch in einer zunehmend dynamischen Welt nachhaltig erfolgreich bleibt.
Peter/Lacke zählt heute zu den international erfolgreichen Spezialisten für Industrielacke. Welche strategischen Weichenstellungen waren entscheidend für dieses Wachstum?
Allen voran war es die konsequente Internationalisierung. Heute macht das Auslandsgeschäft rund viermal so viel Umsatz aus wie das Inland.
Ein weiterer entscheidender Schritt war die Neuausrichtung der Kundengruppen: Ursprünglich stark in der Möbel- und Holzlackindustrie verankert, hat sich das Unternehmen in den 1990er- und 2000er-Jahren vollständig neu aufgestellt.
Heute beliefern wir vor allem die globale Automobilindustrie, daneben sogenannte „Lifestyle Products“ wie Consumer Electronics, Sportgeräte oder Alltagsprodukte sowie Consumer Packaging und seit einigen Jahren auch die Luftfahrtindustrie mit hochspezialisierten Lacklösungen.
Sie führen das Unternehmen in fünfter Generation. Gab es einen Moment, in dem sich gezeigt hat, ob Sie dieser Aufgabe gewachsen sind und welche Annahme über das Unternehmen oder den Markt hat sich nach der Übergabe als Irrtum erwiesen?
Eigentlich nicht – und das liegt vor allem daran, dass ich nie das Gefühl hatte, meinen Vater enttäuschen zu können, selbst wenn ich Fehler mache. Er hat mir immer vermittelt, dass Entscheiden wichtiger ist als Zögern und dass man Entscheidungen anpassen darf, wenn sich Rahmenbedingungen ändern. Diese Haltung hat mir viel Sicherheit gegeben – ebenso wie ein erfahrenes Managementteam, das mich von Beginn an unterstützt hat.
Ich habe Wirtschaftsingenieur Maschinenbau studiert und hatte ursprünglich mehr Spaß an Physik als an Chemie. Anfangs war ich mir nicht sicher, ob Lacke wirklich „mein“ Thema sind. Heute sehe ich, wie entscheidend unsere Produkte für Design, Qualität und Markenwirkung unserer Kunden sind. Rückblickend besonders herausfordernd war auch der Markteintritt in den USA. Er ist deutlich komplexer, teurer und wettbewerbsintensiver als viele erwarten. China war für uns einfacher – nicht zuletzt, weil wir dort seit den frühen 1990er-Jahren aktiv sind.
Innovation und Nachhaltigkeit gelten in der Branche zunehmend als Einheit. Wie gelingt es Peter/Lacke, technologische Weiterentwicklung und nachhaltiges Wirtschaften konsequent miteinander zu verbinden?
Innovation bedeutet für uns immer, einen klaren Mehrwert für den Kunden zu schaffen – technologisch, funktional und zunehmend auch ökologisch. Diese Perspektiven lassen sich heute nicht mehr trennen. Gerade in anspruchsvollen Bereichen wie der Luftfahrt haben wir uns früh darauf konzentriert, neue Anforderungen ganzheitlich zu denken: Neben der Erfüllung strenger Sicherheits- und Brandschutzanforderungen geht es dort auch darum, Beschichtungen leichter zu machen. Denn jedes eingesparte Kilogramm reduziert den Kerosinverbrauch und damit die Emissionen unmittelbar.
Auch im Automobil- und Designbereich spielt diese enge Verzahnung eine zentrale Rolle. Gemeinsam mit führenden Herstellern und Designpartnern entwickeln wir Farbtöne und Oberflächen, die technologische Machbarkeit, Designanspruch und Materialeffizienz verbinden – oft Jahre vor der Markteinführung.
Nachhaltigkeit beginnt für uns jedoch bereits bei den Rohstoffen, die wir gemeinsam mit unseren Kunden weiterentwickeln. Hinzu kommen energieeffiziente Produktions- und Trocknungsverfahren sowie ein konsequenter Blick auf den gesamten Produktlebenszyklus bis hin zur Entsorgung. Ergänzt wird dieser Ansatz durch Investitionen in unsere Standorte – etwa in Blockheizkraftwerke, Photovoltaik und den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien, sowohl in Deutschland als auch international, beispielsweise in China. So entsteht ein integriertes Verständnis von Innovation und Nachhaltigkeit: nicht als getrennte Ziele, sondern als gemeinsamer Entwicklungsauftrag entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
»Tradition bedeutet für mich nicht, die Asche zu bewahren, sondern das Feuer weiterzugeben. Wir werden uns immer an den Bedürfnissen unserer Kunden orientieren, denn ohne sie gäbe es uns nicht!«
Führung, Fachkräfte und Unternehmenskultur hängen eng zusammen. Was bedeutet Führung für Sie persönlich – gerade in Zeiten von Transformation und Fachkräftemangel?
Führung bedeutet für mich vor allem Vertrauen. Mitarbeitende sollen möglichst viel selbst entscheiden können, in flachen Hierarchien und mit dezentraler Verantwortung. Gerade in einem international aufgestellten Unternehmen ist es wichtig, schnell und vor Ort entscheiden zu können. Fehler dürfen gemacht werden – sie sind sogar ein Zeichen dafür, dass jemand mutig entschieden hat. Entscheidend ist nur, dass man aus ihnen lernt und sie nicht wiederholt. Diese Fehlerkultur schafft Geschwindigkeit, Innovationskraft und langfristig auch einen echten Wettbewerbsvorteil.
Know-how, Mitarbeiterbindung und Qualifikation sind zentrale Erfolgsfaktoren. Wie sichern Sie diese langfristig – auch mit Blick auf die Region?
Wir investieren stark in Ausbildung, Weiterbildung und eine offene Unternehmenskultur. Besonders wichtig sind für uns regionale Netzwerke und Bildungsangebote.
Der DiMS-Studiengang (Digital Management Solutions) in Herford ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Wir haben bereits mehrere Mitarbeitende aus unterschiedlichen Abteilungen dafür freigestellt – ausdrücklich nicht nur aus dem IT-Bereich. Digitalisierung betrifft alle Unternehmensbereiche. Der Studiengang verbindet Praxisnähe mit akademischem Wissen und ist für Menschen jeden Alters geeignet. Viele Unternehmen in der Region unterschätzen diesen Mehrwert noch. Wer solche Modelle nicht nutzt, lässt Chancen liegen – für Mitarbeitende ebenso wie für die eigene Zukunftsfähigkeit.
Warum ist der Standort Hiddenhausen bzw. der Kreis Herford bis heute ein Erfolgsfaktor?
Hier liegen unsere Wurzeln – und sie bleiben es auch. Ein Großteil unserer Entwicklung findet weiterhin hier statt. Die Region bietet ein starkes Ökosystem aus Fachkräften, Hochschulkooperationen und guten Arbeitsbedingungen. Wir rekrutieren überwiegend aus der Region, weil hier genügend Talente vorhanden sind. Menschen von weit her zu holen, ist oft schwieriger als angenommen. Mit den Hochschulen vor Ort gelingt es sehr gut, qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen und langfristig zu binden.
Wenn Sie zehn bis zwanzig Jahre vorausblicken: Wo sehen Sie Peter/Lacke – und wofür soll das Unternehmen dann stehen?
Markt- und kundenseitig sind wir sehr gut aufgestellt. Die größte Entwicklung sehe ich in noch nachhaltigeren Produkten, etwa durch einen höheren Anteil nachwachsender Rohstoffe. Gleichzeitig werden wir unsere internationalen Märkte weiter ausbauen. Mit inzwischen rund 13 Produktionsstandorten in mehreren Ländern liegt unser Hauptwachstum klar im Ausland – auch wenn der Standort Hiddenhausen weiterhin ein zentraler Anker bleibt.
Tradition bedeutet für mich dabei nicht, die Asche zu bewahren, sondern das Feuer weiterzugeben. Wir werden uns immer an den Bedürfnissen unserer Kunden orientieren – denn ohne sie gäbe es uns nicht.
In 20 Jahren soll man erkennen, dass das Unternehmen so übergeben wurde, dass es für die sechste Generation eine Chance und keine Last ist: markt-, kunden- und produktseitig stark aufgestellt für eine zunehmend dynamische Welt.
Mehr Informationen zu PETER/LACKE GmbH:
www.peter-lacke.com
Interview 11. Mai 2026