Jana Haydon – Glücksmomente Herford 

Frau Haydon, Sie haben das Geschäft „Glücksmomente“ in Herford vor Kurzem von der ehemaligen Inhaberin, Manja Renger, übernommen! Erzählen Sie uns, wie es dazu gekommen ist?

Da ich seit einigen Jahren Kundin bei „Glücksmomente“ bin, verfolge ich den Laden auch über Social Media. Dort habe ich mitbekommen, dass Manja das Geschäft aus persönlichen Gründen aufgeben möchte. Darauf habe ich mit dem Gedanken reagiert, das irgendwie verhindern zu wollen, indem ich „aushelfe“. Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, welche Möglichkeiten es gibt, „Glücksmomente“ am Leben zu halten. Ziemlich schnell war klar, dass ich den Sprung ins kalte Wasser wagen und das Geschäft übernehmen werde.
Zu dieser Zeit war ich übergangsweise als Alltagshelferin in einem Kindergarten tätig, da ich zuvor meinem Arbeitgeber gekündigt hatte. Ich war dort sehr unzufrieden. Leider war ich bisher noch nie in einem Angestelltenverhältnis beruflich zufrieden.

Was waren und sind Ihre größten Schwierigkeiten und Hindernisse und was Ihr größter, persönlicher Gewinn im Vergleich zum Angestelltenverhältnis?

Hätte ich von Anfang an gewusst, was ab dem ersten Tag der Übernahme an Verantwortung auf mich einprasseln wird, hätte mich das wahrscheinlich abgeschreckt. Meine Naivität hat mich einfach mal machen lassen, so nach dem Motto „learning by doing“. Das Schöne ist, dass Manja immer noch für Fragen und Ratschläge abrufbar ist und das nutze ich auch. Bei jeder neuen Problem-Situation hat sie eine Lösung für mich parat, einfach, weil sie das Geschäft bereits Jahre lang sehr gewissenhaft geführt und natürlich in dieser Zeit auch viele Erfahrungen gesammelt hat, auf die sie zurückgreifen kann. Mein persönlicher Gewinn ist, das zu tun, was ich gerne tue und ausschließlich Produkte zu verkaufen, bei denen ich zu 100% dahinter stehe. Außerdem ist es erfüllend, ein Geschäft zu führen, dessen Konzept meinen eigenen Werten auch wirklich entspricht.

Zusammen mit neun Frauen aus der Region bestücken Sie Ihr Geschäft mit nachhaltiger Ware, individueller Handwerkskunst und Dienstleistungen rund um die Themen Schwangerschaft, Baby und Familie. Was bedeutet „Trageberatung“ und ist dies ein Alleinstellungsmerkmal in Ihrem Geschäft?

Mit der Trageberatung hat damals alles angefangen – sie ist das Herzstück von Glücksmomente. Trageberater*in ist leider kein geschützter Begriff. Dennoch habe ich mich durch die Trageschule NRW schulen lassen, um Eltern (und anderen) das ergonomische und sichere Tragen eines Kindes mittels eines Tuchs oder Tragehilfe professionell beizubringen zu können. Der Mensch ist von Natur aus ein Tragling. Korrektes Tragen hat für Babies und Kinder im Normalfall ausschließlich Vorteile: entwicklungsfördernd, bindungsfördernd, wärmeregulierend, fördert Darmaktivität und Motorik und steigert sogar den IQ.

In Herford sind wir die einzigen, die Trageberatungen anbieten.

»Mein persönlicher Gewinn ist, das zu tun, was ich gerne tue und ausschließlich Produkte zu verkaufen, bei denen ich zu 100% dahinter stehe. Außerdem ist es erfüllend, ein Geschäft zu führen, dessen Konzept meinen eigenen Werten auch wirklich entspricht. «

Thema „Nachhaltigkeit“: Welche sind die wichtigsten Kriterien für die Zusammenarbeit mit Lieferanten?

Das Besondere an unseren Lieferanten ist, dass sie auch gleichzeitig die Produzenten sind – somit sind faire Arbeitsbedingungen schon einmal sicher gestellt.

Für mich ist das der wichtigste Aspekt beim Thema Nachhaltigkeit. Darauf achten wir auch bei unseren wenigen Lieferanten von außerhalb. Außerdem bieten wir ausschließlich Produkte aus qualitativen Natur-Materialien an, Plastik ist uns ein Fremdwort!

Was uns auch so besonders nachhaltig macht, ist, dass wir so gut wie gar keinen Müll produzieren, weil wir für  90% der Lieferungen/Verkäufe kein Verpackungsmaterial benötigen. Und da wir keinen Online-Shop betreiben, verkaufen wir ausschließlich lokal: nachhaltiger geht es kaum!

Sie selbst sind Mutter von kleinen Kindern, haben Familie – wie sieht es mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus?

Es ist manchmal wirklich stressig, wenn man eigentlich gerade die Freizeit am Sonntag Nachmittag mit der Familie verbringen möchte, aber 1000 „to-dos“ im Kopf herumschwirren. Leider bin ich noch häufiger am Handy als vorher, sei es wegen einer Kundenanfrage, dem Online-Banking oder einer Absprache innerhalb des Teams. Ohne Kalender geht jedenfalls nichts mehr – es ist einfach zu viel. Sobald es aber aufgeschrieben ist, kann ich die Arbeit auch mal liegen lassen und mich ihr wieder zu einem späteren Zeitpunkt widmen. Am liebsten natürlich, wenn meine Tochter im Kindergarten ist oder abends schläft.

Der Anfang ist gemacht. Welche neuen Projekte haben Sie sich für dieses Jahr vorgenommen und wo sehen Sie sich in 5 Jahren?

Als aller erstes möchte ich „Glücksmomente“ sichtbar machen. Viele, die zu uns kommen, sind mehr per Zufall „hereingestolpert“ und wundern sich über den schönen Laden, von dem sie ja noch gar nichts wussten. Das soll sich ändern! Ich möchte, dass diese Personen gezielt zu uns kommen, weil sie wissen, dass sie dort mit ihren Ansprüchen fündig werden. Eben nicht nur im Netz, sondern auch lokal bei uns in Herford.

Ich hoffe, dass in 5 Jahren unser Sortiment noch ausgereifter ist und jede*r Herforder*in sofort weiß, wer und was sich hinter „Glücksmomente“ verbirgt.

Was lieben Sie ganz besonders an Ihrer Heimat Herford?

Am besten an Herford gefällt mir die Lage am Wasser, auch wenn es „nur“ die Werre ist. In der Innenstadt sind es die kleinen aber feinen Lädchen und Gastronomen der Radewig, die für mich Herford attraktiv machen. Deswegen möchten wir auch nicht in Richtung Alter Markt umziehen.

Als Mutter gesprochen finde ich das Spiel und Sport-Angebot für Kinder auch großartig. Wir nutzen viele dieser Angebote und kennen immer noch nicht alle Spielplätze – einfach, weil es so viele gibt!