Alexander Stirken & Lennart Wiegmann, InnoCreo UG
Zum Start unseres Interviews werfen wir zunächst einen Blick zurück: Alexander Stirken und Lennart Wiegmann kannten sich anfangs noch gar nicht – beide verfolgten jeweils ihre eigene Geschäftsidee. Im ersten Teil des Gesprächs schildern sie separat ihre persönlichen Hintergründe und erzählen, wie ihre individuellen Wege schließlich in der gemeinsamen Gründung von InnoCreo mündeten.
Können Sie uns mehr über Ihre individuellen Hintergründe erzählen und wie diese zur Umsetzung Ihrer Geschäftsidee, zur Gestaltung und Fertigung Ihrer Produkte und zum Unternehmenserfolg beitragen?
@ Lennart Wiegmann: Bei mir hat sich das, im wahrsten Sinne des Wortes, während meines Maschinenbau Studiums in Paderborn aus einer „Schnapsidee“ ergeben. Ich hatte immer schon Lust, etwas Handwerkliches zu machen und mich schon während des Studiums interessehalber in den Bereich 3D-Druck vertieft und habe dann mit meinem ersten eigenen 3D-Drucker herumexperimentiert. So ist aus der Idee für ein Geburtstagsgeschenk die erste Version einer Schnapskrake entstanden. Die Geschenkidee kam auch bei den anderen Geburtstagsgästen so gut an, dass ich mir dachte: Warum eigentlich nicht? Wenn sie so gut ankommt, kann ich sie auch verkaufen – und damit war die erste Geschäftsidee im Bereich 3D-Druck geboren. Ich hatte Spaß daran, habe nach und nach mehr 3D- Drucker angeschafft, weitere Farben etabliert und „mein Business mit zusätzlichem Equipment“ noch in der damaligen Studenten-WG (meine Drucker standen überall, Hilfe!) und auch nach dem Studium weiterentwickelt.
@Alexander Stirken: Nach meinem Studium im Bauingenieurwesen war ich erst in einem großen Unternehmen (Goldbeck) in der Softwareentwicklung beschäftigt und habe Berufserfahrung gesammelt. Während der Corona-Zeit habe ich mein erstes Gewerbe angemeldet mit dem Vertrieb von Partygadgets im Onlinehandel gestartet und meinen ersten Onlineshop selbst aufgebaut. Das hat ganz gut funktioniert und ist nebenberuflich weiter gewachsen. Dabei konnte ich viele wertvolle Kenntnisse im Onlinehandel, der Webseitenerstellung und auch im Marketing gewinnen. Gemanagt habe ich das alles von Zuhause: Lager, Versand, Bürokram, usw. Im Laufe der Zeit und mit wachsenden Aufträgen wurde das ziemlich herausfordernd – nicht nur für mich.
Wir hatten also beide schon Erfahrungen im Onlinehandel und der gewerblichen Tätigkeit, das war, neben unserem guten technischen Hintergrund, eine gute Basis für den erfolgreichen Start.
(Foto: links Lennart Wiegmann, rechts Alexander Stirken)
Was inspirierte Sie zur Gründung von InnoCreo und wie entstand die Idee, Lampenschirme für Weihnachtssterne zu entwickeln?
@Lennart Wiegmann: Nach meinem Studienabschluss 2022 bin ich zurück in meine Heimatstadt Enger gezogen, in die Vollerwerbsselbständigkeit gestartet und habe eine große Gewerbefläche angemietet. Über die Suche und die Erweiterung meines „Party“-Sortiments und den Zukauf von Party-Gadgets, habe ich dann Alexander kennengelernt.
@ Alexander Stirken: Lennart hat mich gefragt, ob ich Lagerfläche für mein Geschäft benötige. Die Chemie zwischen uns stimmte sofort, und so habe ich kurzerhand einen Teil der Fläche für mein Nebengewerbe angemietet. Die eigentliche Idee für die Lampenschirme entstand eher zufällig – sie geht tatsächlich auf meine Freundin zurück. In der Weihnachtszeit 2023 hatte sie einen dekorativen Lampenschirm aufgehängt, der bei uns für Gesprächsstoff sorgte. Nach den Feiertagen dachte ich mir: Warum nicht mal etwas anderes daraus machen? Vielleicht etwas Geometrisches – oder sogar einen Todesstern aus Star Wars, den ich persönlich großartig finde. Und so nahm die kreative Entwicklung ihren Lauf.
2023 war wirtschaftlich kein einfaches Jahr – wir standen an einem Punkt, an dem wir neu überlegen mussten, wie es für jeden von uns weitergeht. Da kam die Idee mit den Lampenschirmen genau zum richtigen Zeitpunkt. Die 3D-Drucker standen ohnehin schon bereit, also dachten wir: Warum das Potenzial nicht nutzen? Wir haben gemeinsam an der Idee gefeilt, erste Designs gedruckt, viel ausprobiert – und schnell gemerkt: Das sieht nicht nur cool aus, sondern kommt auch richtig gut an. Das positive Feedback hat uns bestärkt. Und so war für uns klar: Warum nicht einfach etwas Neues wagen und daraus etwas Eigenes aufbauen? Irgendwann haben wir uns angeschaut und gesagt: Okay, dann machen wir das jetzt einfach!‘ – und so wurde die InnoCreo UG gegründet.
Welche Herausforderungen haben Sie bei der Gründung und Etablierung von InnoCreo erlebt und wie haben Sie diese gemeistert?
Wir sind direkt in die Entwicklungsphase der Lampenschirme gestartet. Das Thema Licht und Innenraumbeleuchtung ist eher ein saisonales Thema in der dunklen Jahreszeit. Das gab uns Zeit, zu experimentieren, uns Designs zu überlegen, auszuprobieren und uns Feedback einzuholen, geeignete Lieferanten für das Rohmaterial zu suchen, das Produkt zu entwickeln und uns als Partner zu finden. Das Arbeits- und Produktionsumfeld (3D-Drucker) war vorhanden, das hat anfangs vieles leichter gemacht. Parallel haben wir unseren Online-Shop gestaltet und aufgebaut. Und eben alles andere, das auch dazu gehört, wie Administratives, Verpackung & Versand, Finanzbuchhaltung, Lieferantensuche, usw.
Zum Sommeranfang gingen die ersten Bestellungen ein. Zum Herbst wurde es mehr und mit der Zeitumstellung zog die Nachfrage dann deutlich an. Unsere Druckerkapazität kam an ihre Grenzen, technisch und quantitativ und auch personell war es zu zweit nicht mehr machbar. Ohne unser großartiges Umfeld, die tatkräftige Unterstützung von Familie und Freunden, hätten wir diese Zeit sicher nicht so erfolgreich bewältigen können.
Unsere Einnahmen haben wir direkt wieder investiert: in bessere 3D-Drucker, erste Minijobber eingestellt, Webseite optimiert etc. In dieser Phase haben wir uns von einem Tag zum nächsten gehangelt, uns Mini-Ziele gesetzt. Wir waren jeden Tag hier, selbst und ständig, manchmal bis spät nachts und beim Verabschieden haben wir dann nur „bis gleich“ gesagt.
Mittlerweile haben wir ein tolles Team aus 7 MitarbeiterInnen, das uns unterstützt, geregelte Abläufe und uns ein gutes Netzwerk aus Lieferanten und Partnern im Einzelhandel aufgebaut, die unsere Produkte führen.
»2023 war für uns beide wirtschaftlich kein einfaches Jahr – wir standen an einem Punkt, an dem wir neu überlegen mussten, wie es für jeden von uns weitergeht. Da kam die Idee mit den Lampenschirmen genau zum richtigen Zeitpunkt. Die 3D-Drucker standen ohnehin schon bereit, also dachten wir: Warum das Potenzial nicht nutzen?«
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrer Produktion und wie setzen Sie Ihre Nachhaltigkeitsprinzipien konkret um?
Für uns ist Nachhaltigkeit ein zentrales Thema, das wir in unterschiedlichen Bereichen umsetzen. Die Lampenschirme werden aus PLA, einem umweltfreundlichen und nachhaltigen Material, hergestellt und dann bei uns im 3D-Druckverfahren verarbeitet, um präzise und einzigartige Designs zu ermöglichen.
Hierfür haben wir in einem österreichischen Lieferanten, einen Partner gefunden, der uns mit dem entsprechenden Material versorgt und mit dem wir ebenfalls individuelle Entwicklungen, wie beispielsweise eine spezielle Farbgebung umsetzen können. Zugleich vermeiden wir so lange Transportwege per Schiff oder Flugzeug.
Durch die Anschaffung neuer 3D-Drucker und die beständige Optimierung unseres Druckverfahrens können wir hohe Ausschussraten vermeiden und auf ein Minimum verringern. Das Material der Ausschussware wird bei unserem Lieferanten recycelt und kann danach wiederverwendet werden.
Was waren bisher die wichtigsten unternehmerischen Erfahrungen und Meilensteine?
Dass wir beide uns als Partner gefunden haben, ist vielleicht der erste wichtige Meilenstein von InnoCreo. Wir ergänzen uns super und in schwierigen Situationen hilft das extrem. Man ist kein Einzelkämpfer in unternehmerischen Entscheidungen oder bei Problemen, kann sich austauschen, auch mal alles rauslassen oder bekommt eine andere Sichtweise, um dann wieder lösungsorientiert denken und handeln zu können.
Auch die Erfahrungen aus unseren ersten Onlineshops haben uns sehr geholfen. Man hatte da schon einen Weg gefunden, wie es gut funktioniert und das mehr oder weniger übertragen. Wir kannten die Basics der Selbständigkeit, wussten, wie der Aufbau eines Onlineshops funktioniert, kannten das Onlinegeschäft und hatten schon einige gute Kontakte.
Natürlich hat ein neuer Shop auch neue Herausforderungen. Es hilft aber schon sehr, wenn man weiß, worauf es ankommt. Dann flossen die ersten Umsätze, das Produkt wurde super angenommen, wir konnten investieren, in Technik und Personal, neues Verpackungsdesign, etc. Insgesamt war das eine herausfordernde Zeit, weil so viel Neues passiert ist und wir kaum Freizeit hatten.
Inzwischen – und das empfinden wir als echten Luxus – haben wir ein starkes, eingespieltes Team, klare Prozesse und ein rund laufendes Tagesgeschäft. Das verschafft uns den Freiraum, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: neue Ideen zu entwickeln, unsere Produktlinie gezielt zu erweitern und Innovationen voranzutreiben.
Wo sehen Sie sich in 5 Jahren und welche langfristigen Visionen haben Sie für InnoCreo – sowohl in Bezug auf neue Produkte als auch auf die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells?
Unseren Umsatz generieren wir aktuell vorwiegend im B2C-Geschäft, aber auch das Händlergeschäft zieht mit mittlerweile über 100 Partnergeschäften gut an.
Für den „schnellen“ Erfolg, den wir schon im ersten Jahr hatten, sind wir mega dankbar. Das eröffnet uns viele neue Möglichkeiten. Ideen für neue Designwelten haben wir schon reichlich!
Gründen im Kreis Herford – Heimatgefühl und/oder optimaler Wirtschaftsstandort? Was waren die Beweggründe?
Beides! Herr Wiegmann ist hier aufgewachsen und seine Familie kommt hier her. Zusätzlich sind die Mietpreise attraktiv bei gleichzeitiger Nähe zu großen Städten (BI, HF).
Mehr Informationen zu InnoCreo:
www.innocreo.de
Interview April 2025